Schützingen.Wie viel Engagement, Empathie und Fachkompetenz in moderner Pflege stecken, wurde beim Besuch der Familienherberge Lebensweg in Schützingen eindrucksvoll sichtbar. Nico Gunzelmann, CDU-Landtagskandidat im Enzkreis, und Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, informierten sich vor Ort über die Arbeit der Einrichtung und sprachen mit Gründerin Karin Eckstein sowie Mitarbeitenden über Chancen und Herausforderungen in der Kinderpflege.
Für beide war der Termin mehr als ein klassischer Wahlkampfbesuch – er war ein Signal der Wertschätzung und des politischen Handlungswillens. Die Gespräche machten deutlich: Einrichtungen wie die Familienherberge Lebensweg dürfen bei Finanzierungsfragen und bürokratischen Hürden nicht alleine gelassen werden. „Dieses Haus zeigt, was Pflege leisten kann, wenn Herz, Professionalität und kluge Strukturen zusammenkommen. Solche Orte sichern Lebensqualität – für die betroffenen Kinder ebenso wie für ihre Familien“, betonte Gunzelmann.
Die Familienherberge Lebensweg ist bundesweit einzigartig – sie bietet für schwer oder chronisch erkrankte Kinder und deren Angehörige Raum zum Durchatmen und neue Kräfte schöpfen. Damit ein solches Modell Zukunft hat, braucht es jedoch praktikable politische Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, angepasste Förderinstrumente und langfristig verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten. „Politik und Verwaltung – vom Bundestag bis zum Landratsamt – müssen enger zusammenarbeiten, um innovative Pflege- und Betreuungsangebote tatsächlich möglich zu machen“, so Gunzelmann weiter.
Karin Eckstein erläuterte im Gespräch, welche Pläne und Weiterentwicklungen für die Einrichtung derzeit wichtig sind: „Nach wie vor streben wir an, die Anerkennung für familienorientierte Reha zu erlangen. Eltern von pflegebedürftigen Kindern haben per Gesetz den Anspruch alle 2 Jahre eine Reha-Maßnahme durchzuführen. Die Familienherberge Lebensweg bietet diese Möglichkeit für die Familien. Leider scheitern wir immer wieder am bestehenden Kriterienkatalog von Pflege- und Rentenkassen, der sich im Falle pflegender Eltern nicht am Bedarf dieser orientiert. Das wichtigste Kriterium hierbei ist: die 24/7-Pflege der Kinder im gleichen Zeitraum der Reha-Maßnahme“ erklärt Karin Eckstein abschließend, „konkrete Unterstützung wünschen wir uns hier gemeinsam mit Betroffenen auf Landes- und Bundesebene eine zielführende Lösung zu finden.“
Auch auf Ebene der Eingliederungshilfe zeigt sich ein strukturelles Spannungsfeld: Die fachlich qualifizierte, intensiv geprüfte und mit dem Enzkreis abgeschlossene Vergütungsvereinbarung ist grundsätzlich für alle Landratsämter in Deutschland verbindlich. Dennoch schließen sich nicht alle Eingliederungshilfeträger diesem Abschluss gleichermaßen an – bis hin zur Ablehnung einzelner Maßnahmen. Für betroffene Familien bedeutet dies Unsicherheit, Verzögerung oder vollständige Verwehrung dringend notwendiger Unterstützung.
Die Familienherberge Lebensweg fordert daher eine klare politische Positionierung sowie eine Anpassung der Kriterien an die tatsächliche Lebensrealität pflegender Eltern. Gesetzliche Rechte dürfen nicht an formalen Hürden scheitern. Wer Pflegeverantwortung rund um die Uhr trägt, braucht eine Rehabilitationsstruktur, die diese Realität anerkennt – nicht eine, die sie ausblendet.
Darüber hinaus sind Einrichtungen wie die Familienherberge auch wirtschaftlich bedeutsam. Sie schaffen Arbeitsplätze vor Ort, halten Fachkräfte in der Region und sind ein wichtiger Impulsgeber für den ländlichen Raum. Gunzelmann machte deutlich: „Pflege darf nicht allein als soziale Aufgabe verstanden werden – sie ist auch ein Standortfaktor. Wer den Menschen im Enzkreis eine gute Zukunft sichern will, muss dafür sorgen, dass Gesundheits- und Pflegeangebote wohnortnah, verlässlich und modern bleiben.“
Zum Abschluss zog Gunzelmann ein klares Fazit: „Wir brauchen in Baden-Württemberg eine Politik, die nicht verwaltet, sondern ermöglicht. Pflege, Bildung und kommunale Verantwortung gehören zusammen gedacht. Mein Ziel ist, dass Einrichtungen wie die Familienherberge Lebensweg künftig auf mehr Rückenwind aus der Politik bauen können – bürokratiefrei, finanziell solide und mit dem Vertrauen, das sie verdienen.“